Berlinale 2015

Laszlo I. Kish als "Reinhard" in Venedig

Berlinale 2015

Die gemeinsame Arbeit an einem Film dauert etwa sechs Wochen. Zeit genug, um sich kennenzulernen, gemeinsame Leidenschaften zu entdecken und in manchen Fällen auch anzufreunden. Ganz besonders, wenn der Dreh im Ausland stattfindet und man eine kleine, fremdsprachige Schicksalsgemeinschaft bildet, kommt eine grosse Vertrautheit auf. Und so aufrichtig die allseitigen Beteuerungen, den Kontakt  nach Drehende weiterhin aufrecht zu erhalten, auch sind, so selten überleben sie die Rückkehr in den Alltag.

Deswegen liebe ich die Berlinale.

Lebte ich früher in dem Glauben, ich müsse an der Berlinale (oder vergleichbaren Ereignissen) „meine Zukunft ebnen“, so sehe ich heute in ihr die Möglichkeit zu einer Klassenzusammenkunft. Eine willkommene Reise in die Vergangenheit.

Hier treff‘ ich jedes Jahr KollegInnen, mit denen ich Erinnerungen an eine gemeinsame Erlebnisse teile. Diese Treffen sind auch eine unerschöpfliche Inspiration für die Trainings von TheKish Experience. Spätestens hier lerne ich individuelle Tipps und Tricks auch meiner Kollegen kennen. Einige schaffen es auch in das Trainingsprogramm von TheKish Experience.

„Wie ist es Dir denn ergangen, in der Zwischenzeit?“

Und ich höre Geschichten von Freude und auch von Leid, von Erfolgen und Enttäuschungen, von Triumphen und von Niederlagen. Von Ängsten und vom Umgang mit ihnen. Waren es in den vergangenen Jahren vornehmlich Geschichten von Enttäuschung, Frustration und Wut, stelle ich dieses Jahr eine angenehme Nüchternheit fest, die bisweilen mit zarter Hoffnung gepaart ist. Mehr Aufbruch, weniger Gespräche in Moll. Nachdem die Branche hingefallen ist, scheint sie wieder aufgestanden zu sein und richtet sich jetzt gerade die Krone. Natürlich ist das die rein subjektive Eindruck eines einzelnen Schauspielers, doch freut es mich, dass sie in den letzten Tagen von zahlreichen Kollegen bestätigt wurde. Die Reise in die Vergangenheit öffnet dieses Jahr, noch etwas zaghaft, das Fenster in die Zukunft. Die Zeichen stehen auf Hoffnung.

Kurze Zeitreise

vor dem Kino Babylon - Berlinale 2015

eingeholt von der Vergangenheit

Gegenüber der Bar, in der dieses Jahr der Berlinale-Empfang meiner Agentur stattfand, steht das alte, wundervolle Kino Babylon. Hier holte mich meine Vergangenheit auf eine ganz besondere Weise ein.

Gerade hatte ich die Bar verlassen – der Empfang einer Casterin stand als nächstes auf meinem Berlinale-Fahrplan – da fiel mir das grosse Plakat über dem Kinoeingang auf. In Grossbuchstaben prangte da ein einzelnes Wort: „HEIMAT“. Sofort war ich 25 Jahre jünger und ein Schauspieler in seinen Anfängen, aber mit beneidenswert übertriebenem Selbstwertgefühl. Mir stand die Welt offen. Edgar Reitz hatte diese Selbsteinschätzung erkannt und mich  nach unserem ersten Zusammentreffen in seiner Schwabinger Villa für die Rolle des „Reinhard“ besetzt. Dieses überbordende Selbstwertgefühl war eine der Hauptzüge des Jungfilmers, die ich im Laufe der Jahre immer besser kennenlernen durfte. Das ist ein Segen einer Produktionszeit über mehrere Jahre hinweg, dass ich die Möglichkeit habe, mit der Rolle mitzuwachsen.

Jetzt zeigt das Kino „Babylon“ im Anschluss an die Berlinale eine Retrospektive von „Heimat“. Unter dem Motto „49 Stunden ‚Heimat‘ in drei Tagen“ werden alle Folgen des ersten Teiles gezeigt. Eine wundervolle Möglichkeit für jeden, der einen Weg sucht, in dieses epische Werk einzusteigen.

 

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Ein Kommentar

  • Hans-Peter Faßbender says:

    9. Februar 2015 at 23:34

    Hallo !

    Ich habe zu der Zeit, als die Zweite Heimat ausgestrahlt wurde, gerade Musik studiert ( leider nicht in München 😉 , und ich hatte damals ständig das Gefühl, dass sich Fiktion und meine damalige Lebenswirklichkeit miteinander vermischen….deshalb ist es für mich jetzt auch immer wie ein Klassentreffen, wenn ich mir die Filme ansehe …und der Ammersee ist für mich seit dem der Ort, wo Reinhard ertrunken ist 😉

    Viele Grüße und alles Gute !

    HP Faßbender

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