Der Freund

Gute Visuals beflügeln die Phantasie

Der Freund

Nach einigen „Todsünden“ der Kommunikation ist es höchste Zeit, dass wir uns jetzt mit den Möglichkeiten beschäftigen, die eine für beide Seiten erfüllendere Verständigung, zwischen Redner und Publikum, erlauben.

Dazu bedarf es eines Paradigmenwechsels, dessen Dringlichkeit jedem, der viel Lebenszeit in Präsentationen verbringt, völlig klar ist. Das mag dramatisch erscheinen, aber es gibt auch eine wundervolle und ermutigende Nachricht. Der Wechsel geht ganz leicht. Eine einfache Fokusverschiebung. Zusätzlich bringt es dem Präsentator eine unerwartete Erleichterung. Der Königsweg des Redners heisst: Werden Sie zum guten Freund Ihrer Zuhörer.

Publikumszentriertes Präsentieren

Bildschirmfoto 2014-11-18 um 17.25.11Ein einfacher und selbsterklärender Begriff. Das Publikum rückt in den Mittelpunkt der Rede. Na und, denken Sie?

So klein und unbedeutend dieser Schritt sein mag, begründet er einen kompletten  Paradigmenwechsel in der Disziplin des öffentlichen Auftretens.

Standen bis anhin im Selbstverständnis der meisten Redner sie selbst und ihre Botschaft im Mittelpunkt, so hat sich bei einer kleinen Avantgarde von Präsentatoren die Erkenntnis durchgesetzt, dass Kommunikation sehr viel besser funktioniert, wenn man sich für sein Gegenüber und dessen Wünsche interessiert. Wenn man, ganz im Sinne eines guten Geschäftsmannes, schlicht zum besten Problemlöser für seine Zuhörer wird. Ein Freund eben.

Jeder Redner, jede Präsentatorin möchte im weitesten Sinn etwas “verkaufen”, an den Mann bzw. die Frau bringen. Sei es ein Produkt, eine Ideologie, eine Leistung, eine Politik oder eine Religion. Das ist aller Ehren wert. Sie möchten überzeugen. Nach der Rede möchte jeder Präsentator von jedem seiner Zuhörer in der Währung, die ihm wichtig ist bezahlt werden. Geld, Stimmen, Unterschriften, Loyalität.

Das ist allerdings nur durch Aufrichtigkeit, Einfühlungsvermögen, Zuwendung und absolute Integrität zu erreichen.

Sobald Sie das Publikum anlügen, weil sie sich davon einen Vorteil versprechen, haben Sie jegliches Vertrauen verspielt. Diesen Vertrauensverlust wieder wett zu machen, ist beinahe ein Ding der Unmöglichkeit. Eine weitere unerlässliche Voraussetzung ist, dass Sie Ihrem Publikum etwas geben, das es haben möchte. Selbst wenn es das bis eben nicht gewusst hat. Die Idee ist nicht, dass Sie den Menschen etwas “andrehen”, die Idee ist, dass Sie mit Ihrem Angebot das Leben Ihrer Freunde verbessern, bereichern, erleichtern, inspirieren. Es ist ein Gewinn für beide Seiten, die Welt wird ein klein wenig heller.

„Verkäufer des Monats“

Nehmen Sie sich selbst als Massstab. Welcher Verkäufer vermag es, Ihr Vertrauen zu bekommen? Vom wem werden Sie sich auch in Zukunft beraten lassen?

Von der bedauernswerten Kreatur, die hektisch an dem nicht passenden, viel zu engen Jacket herumzerrt, um die Umsatzvorgaben zu erreichen, und Sie schliesslich mit der Lüge “das trägt man jetzt so” endgültig verliert?

Oder doch lieber von dem Verkäufer, der Sie, Ihre Wünsche und Ihre Bedürfnisse erkennt und Ihnen die Antwort liefert, die Sie überrascht und Ihr Problem kreativ zu lösen vermag? Selbst wenn er Sie dafür zur Konkurrenz schicken muss.

Der entscheidende Unterschied zwischen den zwei Verkäufern besteht lediglich in deren Fokus. Während Verkäufer 1 den Blick stur auf sich und seine Verkaufszahlen gerichtet hatte, stand für Verkäufer 2 der Kunde und dessen Bedürfnisse im Mittelpunkt. Es erstaunt daher auch nicht, dass er der Verkäufer Ihres Vertrauens wird.

Das lässt sich so direkt auf das Verhältnis Präsentator-Publikum übertragen.

„Sie können niemanden überzeugen, dessen Herz Sie nicht gewonnen haben.“

Im angelsächsischen Sprachraum hat diese Art der Präsentation bereits länger Tradition. So erstaunt es nicht, dass der britische Kommunikationsexperte  Julian Treasure eine wundervolle Faustformel gefunden hat, die zusammengesetzt das Wort

„H A I L“

ergibt. („to hail“: begrüssen, zujubeln). Er schlägt vor, dass deren vier Elemente die Grundsteine bilden für jede Rede, die motivieren, inspirieren und begeistern möchte.

•   H – onesty – Aufrichtigkeit

•   A – uthenticity – Echtheit

•   I – ntegrity – Integrität

•   L – ove – Liebe

Das sind die Grundlagen jeder publikumszentrierten Präsentation. Ohne sie wird sie ihren vollen Zauber niemals entfalten können.

Honesty – Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit. Es versteht sich von selbst, dass ich mein Publikum nicht anlüge. Nicht nur weil ich sonst meine Glaubwürdigkeit für immer verspielt hätte, sondern weil es viel einfacher ist, über eine erlebte Wahrheit zu erzählen, als sich irgendeine Lüge zurecht zu biegen, an die man sich darüber hinaus womöglich immer wieder erinnern müsste.

Authenticity – Echtheit, Unverstelltheit, die viel beschworene Authentizität. Viele Präsentierende haben vergessen, wie interessant sie als Person eigentlich sind. Sie geben sich Mühe, sich zu verstellen, irgendwelchen aktuellen Trends nachzueifern, eine Rolle vorzuspielen, irgendetwas zu erfüllen, von dem sie annehmen, dass es von ihnen erwartet wird. Sie legen sich selbst Fesseln an. Der erste Schritt hin zu einer sehr viel größeren Freiheit ist, sich selbst zu akzeptieren. Das heißt nicht, dass Sie sich zum „Superhero“ hochstilisieren müssen, doch sie dürfen feststellen, dass Sie so, wie Sie sind, vollkommen okay sind. Sie sind eine liebenswerte, vielschichtige,  liebe- und humorvolle  Persönlichkeit, die so wie sie ist, interessant ist. Sie müssen nichts darstellen! Sie dürfen sich in Ihrer ganzen emotionalen Spannbreite zeigen. Lassen Sie uns an Ihrem Reichtum teilhaben.

Integrity – Integrität, Verlässlichkeit. „Walk the talk!“ Ihr Publikum erwartet zu Recht, dass Sie nicht Wasser predigen und Wein trinken. Teil Ihrer Integrität ist, dass Sie sich dem Wohl Ihres Publikums verpflichtet fühlen. Sie sind aufrichtig davon überzeugt, dass das präsentierte Produkt oder die vorgestellte Methode, Idee, Innovation auch für sie wertvoll und bereichernd ist.

Love – Liebe. Wem das zu hoch gegriffen ist, der nehme: Zuwendung. Öffnen sie Ihr Herz für Ihr Publikum, wünschen Sie ihm nur das Beste. Das Publikum spielt die Hauptrolle. Sie stehen auf der Bühne und Sie geben selbstverständlich Ihr Bestes, doch in letzter Konsequenz geht’s um das Publikum. Sie bieten in aller Aufrichtigkeit und Integrität Ihre beste Option an, denn Sie glauben an eine noch bessere Zukunft. Oder: Sie bringen ein bisschen mehr Licht in die Welt.

Sobald Sie diese vier Elemente zum Fundament Ihrer Rede machen, mehr noch: Ihrer gesamten Kommunikation, werden Sie erleben, dass aus Zuhörern, Anhänger und Freunde werden. Und sobald sie Ihnen zuhören, können Sie:

motivieren – inspirieren – begeistern

Machen Sie die Welt ein kleines bisschen heller.


TheKish Experience bietet Ihnen immer wieder die Möglichkeit, publikumszentriertes Präsentieren zu erlernen und zu trainieren. Erkundigen Sie sich hier:

 

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3 Kommentare

  • Tom Oberbichler says:

    26. November 2014 at 20:57

    So schön, dass sich dieser menschenzentrierte Blick in der Kommunikation immer mehr durchsetz. Danke für deine Impulse in der Präsentationstechnik, lieber Laszlo – ich nehme sie auch gerne in meine 1:1 Gespräche mit, den diese Regeln gelten für mich dort auch.
    Klasse Auftritt!
    LG Tom

  • Christina says:

    25. November 2014 at 12:00

    Hallo Laszlo,

    das ist ein wunderbarer Artikel, gefällt mir sehr gut.

    Und das Schöne ist, das lässt sich auf jeden beliebigen Auftritt übertragen, ob nun live oder im Internet.

    Danke für „HAIL“ – das fasst es superschön zusammen.

    Liebe Grüße
    Christina

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