Kleiner Feigling

Verstecken ist eine Möglichkeit. Jedoch nicht, wenn Sie präsentieren wollen.

Lampenfieber? Natürlich haben Sie Schiss, schliesslich entstammen Sie einer langen Reihe von Feiglingen.

 

Zuerst ein paar gute Nachrichten:

  • Öffentliches Reden rangiert in der Liste der menschlichen Ängste seit Jahrzehnten ununterbrochen auf Platz 1! – Sie sind also nicht allein!
  • Über 80% aller Redner und Präsentatoren geben bei anonymen Befragungen an, unter “heftigem” bis “lähmendem” Lampenfieber zu leiden. – Öffentlich bekennen sich nur die Wenigsten dazu.
  • Die Urform von “Lampenfieber” hat überhaupt ermöglicht, dass Sie heute hier sind.
  • Sie haben die Nase voll von “Lampenfieber”, sonst würden Sie diese Zeilen jetzt nicht lesen.
  • Es gibt zahlreiche schnell wirkende Methoden und Mittel, um die lähmende Auftrittsangst in eine inspirierende Auftrittsfreude zu verwandeln. – Sie müssen sie nur nutzen.

 

Die “Helden” sind ausgestorben

Während der Steinzeit. Sie spazieren alleine durch die Steppe und träumen von dem Mammutbraten, den Sie heute Abend in Ihrer Höhle geniessen werden, so Ihnen das Jagdglück hold ist. Sie gehen um ein Gestrüpp herum und sehen, etwa in Rufweite vor sich, eine kleine Gruppe eines Ihnen fremden Stammes. Sie überlegen gar nicht erst, ob Freund oder Feind, Sie bringen sich zuerst mal in Sicherheit. Nachdenken können Sie dann in Sicherheit immer noch. Denn je nachdem, wem man über den Weg lief, konnte Leutseligkeit früher zum unerwarteten Ableben des Höhlenmenschen führen.

Deshalb: Lieber sich einmal zu oft unnötigerweise in die Flucht schlagen lassen, als stand- und heldenhaft von feindlichen Stämmen erschlagen zu werden. Feigling hin, Feigling her. Zuerst starben die standhaften Helden. Die, die sich nicht in die Flucht schlagen liessen. Da half der ganze Mut nichts, ziemlich schnell war einfach keiner mehr übrig. Die „Helden“ starben aus. “They died their boots on,” sagte man im Wilden Westen dazu.Kurz: Ihre Vorfahren waren “Schisser”. –  Ja okay, meine auch.

Abschied vom Lampenfieber Header 950x300

Tausend Augen starren Sie an

Sie hören sie schon durch den Vorhang murmeln. Gleich treten Sie auf die Bühne und halten Ihre Rede. Alleine stehen Sie da, vor Ihnen eine weitestgehend unbekannte Meute. Alle schauen Sie an. “Meine Güte sind das viele! Die wollen alle was von mir. Ich glaub, die kommen immer näher!” Schon lange hat Ihr “Reptiliengehirn” alle Reaktionen auf Flucht gestellt. Wie damals bei Ihrem Vorfahren, als er alleine dem fremden Stamm gegenüberstand.

In Stress-Situationen übernimmt, ob uns das schmeichelt, oder nicht, noch immer unser “Reptiliengehirn” das Kommando. Das ist der älteste Teil unseres Gehirns- evolutionstechnisch weitaus älter, als Ihr Bewusstsein – und es reagiert auch heute noch so, wie vor Tausenden von Jahren. Der Höhlenmensch in uns bestimmt in Teilen noch immer unser Verhalten. Bisweilen ist das sinnvoll, aber sicher nicht, wenn Sie öffentlich reden wollen.

Schnellere Reflexe entscheiden übers Überleben. Das System fährt die anderen Energiefresser auf Notversorgung herunter, um die gesamte Energie den Reflexen zur Verfügung zu stellen. Blutleere im Kopf ist eine der Folgen. Auch bekannt unter dem Namen “Blackout”. Die “Meute” hat Sie lahmgelegt. Was tun?

Treten Sie in Dialoge

Hatten Sie schon mal “Lampenfieber” in der Kaffeeküche? Wenn Sie den Kollegen vom letzten Wochenende erzählt haben? Ich vermute mal: Nein. Hatte Sie in diesem, oder einem ähnlichen Augenblick schon mal die Angst überfallen, Sie könnten plötzlich Ihren Text nicht mehr wissen? Ich vermute mal: Nein. Sie wissen, wovon Sie reden, denn Sie haben es selbst erlebt. Und auch wenn Sie in der Kaffeeküche referieren, befinden Sie sich trotzdem in einem Dialog mit den Herumstehenden. Nutzen Sie diese Sicherheit auch in Präsentationen vor zahlreichen Zuschauern. Wie?

„Ich schau Dir in die Augen, Kleines“

Im Schnitt wechseln wir bei Vorträgen alle 1,5 Sekunden den Ansprechpartner. Diese Zeit reicht nicht, um dem Hirn das Gefühl einer Einzelbeziehung vorzugaukeln. Wir wandern mit den Augen ständig über das gesamte Publikum. Die Engländer nennen das „Spraying“. Ihr “Reptiliengehirn” erhält immer wieder die Information: “Das sind ganz viele und ich bin allein” und hat so keine Chance sich zu beruhigen. Sie stehen ständig unter Strom, sind jederzeit bereit zu fliehen. Lampenfieber pur.

Halten Sie Ihren Blick länger bei einem Zuhörer. Bis zu sieben Sekunden können Sie in unserem Kulturkreis problemlos jemanden anschauen, ohne sie oder ihn gleich heiraten zu müssen. Das gibt Ihnen die Zeit, einen gesamten gedanklichen Bogen direkt an eine Person zu richten. Dann erst, wenn der Gedanke abgeschlossen ist, wechseln Sie Ihren Ansprechpartner. Dieser ungeheuer simple Trick sorgt dafür, dass sich Ihr “Reptiliengehirn” in der Kaffeeküche wähnt und Sie sicher und souverän Ihre Präsentation halten. In viele, viele Einzelgespräche aufgeteilt.

“Abschied vom Lampenfieber”

Zugegeben, es mag zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig sein, den Blick willentlich länger bei einer Person zu halten. Doch mit etwas Übung werden Sie sehr schnell den beruhigenden Effekt dieses “Tricks” feststellen und schätzen.

Die nächste Möglichkeit, diesen und viele andere Rezepte auszuprobieren, bietet Ihnen TheKish Experience am 1. November in München. Der ganze Tag steht unter dem Motto: „Wir feiern Abschied vom Lampenfieber“

 

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2 Kommentare

  • Susanne says:

    20. Oktober 2014 at 17:42

    Hallo,
    super Artikel und sehr amüsant zu lesen. Spraying ist mir neu und leuchtet ein. Die 7 Sekunden Regel probiere ich aus. Danke für den Tipp!

    Herzliche Grüße
    Susanne

    • Laszlo I. Kish says:

      20. Oktober 2014 at 17:45

      Herzlichen Dank für das Feedback. Experimentieren Sie ruhig etwas mit der Blickdauer und verlassen Sie sich auf Ihr Gefühl. Sie merken automatisch, wann Sie’s „überreizt“ haben.
      Viel Spass damit und ich freue mich, wenn Sie hier über Ihre Erfahrunge berichten.

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